Werk
Denkgeste → Spur → UN/ → Denkraum
Die Arbeiten von Steffen Rolla untersuchen Situationen, in denen Wahrnehmung für einen Moment aussetzt und ein offener Denkraum entstehen kann.
Ausgangspunkt seiner Praxis ist eine minimale Handlung – eine Denkgeste. Diese Geste kann als Linie auf Papier erscheinen, als Spannung im Material oder als sprachliches Fragment im Raum. In allen Fällen entsteht eine Spur, die gewohnte Wahrnehmungsabläufe unterbricht und Aufmerksamkeit neu organisiert.
Werkstruktur
Geste → Spur → Unterbrechung → Denkraum
Diese Struktur erscheint in unterschiedlichen Medien:
Zeichnung · Material · Sprache
In frühen Arbeiten mit seriellen vertikalen Linien wird die Linie nicht als Darstellung verstanden, sondern als Handlung. Die wiederholte Bewegung der Hand erzeugt Felder aus Rhythmus, Verdichtung und Abweichung. Die Zeichnung wird so zu einer Untersuchung von Bewegung, Zeit und Aufmerksamkeit.
Spätere Arbeiten verschieben diese Untersuchung in den Bereich des Materials. Wenn Materialien gebogen oder gehalten werden, entsteht eine Linie der Spannung. Diese Form existiert nur solange der Körper sie hält. Skulptur erscheint hier nicht als dauerhaftes Objekt, sondern als temporäre Situation zwischen Körper, Material und Raum.
Ein dritter Bereich der Arbeit überträgt diese Logik in die Sprache. Kurze Aussagen oder Textfragmente erscheinen als minimale Interventionen im Raum oder im Stadtraum. Durch Rhythmus, Zeilenbruch und Fragment können sie gewohnte Bedeutungsabläufe unterbrechen.
Werkentwicklung
Ein früher Ausgangspunkt dieser Praxis sind Serien mit vertikalen Linien, die ab 2013 entstehen. Die Linie erscheint hier als minimale Geste, deren Wiederholung Verdichtung, Rhythmus und Unterbrechung zugleich erzeugt. Die Fläche wird zu einem Feld von Spuren, in dem Wahrnehmung sich bewegt.
In späteren Arbeiten verschiebt sich diese Untersuchung vom Papier in den Raum und in das Material. Linien erscheinen nun als Spannungen zwischen Körper und Material. Die Form entsteht im Moment der Handlung und verändert sich wieder, sobald die Spannung nachlässt.
Parallel dazu entsteht eine Arbeit mit Sprache. Kurze Aussagen oder fragmentierte Texte erscheinen als minimale Interventionen im Raum und können gewohnte Interpretationen für einen Moment unterbrechen.
CMG
Das Werk CMG Core bildet das experimentelle Feld, in dem diese Operationen weiter untersucht werden. Materialhandlungen, visuelle Spuren und sprachliche Interventionen erscheinen hier als unterschiedliche Ausdrucksformen derselben grundlegenden Struktur.
Die Arbeiten von Steffen Rolla bewegen sich damit zwischen Zeichnung, Materialhandlung und sprachlicher Intervention und untersuchen Situationen, in denen Wahrnehmung und Denken neu organisiert werden können.
Kurzbiografie
*Steffen Rolla (1965) lebt und arbeitet als Künstler in Dortmund. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Skulptur, Handlung und Sprache und untersuchen, wie durch minimale Gesten Situationen entstehen, in denen Wahrnehmung und Denken sich neu organisieren können.