WERKGRAMMATIK
Die Werkgrammatik begrenzt das künstlerische Feld und schützt die innere Konsequenz des Werkes.
WERK
Das künstlerische Werk von Steffen Rolla trägt den Namen CMG.
CMG ist ein seit 2009 entwickelter Werkzusammenhang. Das Werk besteht nicht aus einem einzelnen Gegenstand und besitzt keine festgelegte Erscheinungsform. Es entfaltet sich in eigenständigen Arbeiten – in Sprache, Material, Körper, Raum, Klang und konkreten Situationen.
Die Arbeiten können sehr unterschiedlich erscheinen. Verbunden werden sie durch eine gemeinsame künstlerische Frage und eine verbindliche Werkgrammatik.
Werkzusammenhang bedeutet: Ein übergreifendes Werk entfaltet sich in vielen eigenständigen Arbeiten.
Ein Wort wird gehört. Ein Bild wird gesehen. Eine Situation tritt ein.
Häufig scheint sofort klar, was etwas bedeutet, wie es zu bewerten ist und welche Handlung daraus folgen soll. Die Richtung steht bereits bereit, bevor eine eigene Prüfung eingesetzt hat.
Das Werk beginnt dort, wo diese vorbereitete Richtung unterbrochen wird.
Für einen kurzen Moment ist noch nicht vollständig festgelegt, wie wahrgenommen, verstanden oder gehandelt wird.
Diese Öffnung ist nicht leer. Material, Körper, Erinnerung, Erwartungen und Umgebung sind bereits wirksam. Ihre Beziehung muss jedoch erneut durchlaufen werden.
Das Werk schafft Situationen, in denen eine bereits vorbereitete Richtung unterbrochen und erneut geprüft werden kann.
VORDEM ist der durch UN/ geöffnete und durch Widerstand gehaltene Schwellenraum vor der erneuten Festlegung.
Den dabei entstehenden Schwellenraum bezeichnet das Werk als VORDEM.
VORDEM meint keine ferne Zukunft und keinen unfertigen Zustand. Der Begriff bezeichnet eine kurze Schwelle innerhalb der Gegenwart.
Die Unterbrechung allein reicht nicht aus. Erst materieller, körperlicher, sprachlicher, räumlicher, zeitlicher oder sozialer Widerstand hält die Öffnung so, dass ein eigener Vollzug möglich wird.
„Noch nicht festgelegt“ ist die einfache Sprache für die Erfahrung.
VORDEM ist der verbindliche Werkbegriff.
Zwei Menschen halten und verformen eine Platte. Papier wird darübergelegt. Mit Graphit wird über die Oberfläche gerieben. Eine Spur erscheint.
Doch die Arbeit besteht nicht allein im entstandenen Blatt.
Die Beteiligten müssen halten, nachgeben, reagieren und ihre Bewegungen aufeinander beziehen. Das Material widersetzt sich. Der Verlauf lässt sich nicht vollständig vorausbestimmen.
Die künstlerische Setzung eröffnet die Bedingungen. Erst im Zusammentreffen mit Menschen, Material, Ort und Zeit entsteht die Situation.
Was darin tatsächlich geschieht, ist der Vollzug.
Das entstandene Blatt kann eine Spur dieses Vollzugs und zugleich eine eigenständige Arbeit sein.
Die Situation ist nicht das gesamte CMG-Werk. Sie ist eine konkrete Realisierung, in der das Werk lesbar wird.
Die Setzung wird entworfen. Die Situation entsteht.
Die Realisierungsarchitektur beschreibt, wie die Werkgrammatik in eine konkrete Wirklichkeit eintritt.
WERKGRAMMATIK SETZUNG SITUATION VOLLZUG SPUR
Die Werkgrammatik begrenzt das künstlerische Feld und schützt die innere Konsequenz des Werkes.
Die Setzung bringt Material, Sprache, Körper, Raum oder Handlung in ein bestimmtes Verhältnis. Sie legt Bedingungen fest, aber keine richtige Reaktion.
Die Situation entsteht, wenn die Setzung auf einen konkreten Ort, bestimmte Menschen, vorhandene Bedingungen und nicht vorhersehbare Entwicklungen trifft.
Der Vollzug bezeichnet das tatsächliche und verantwortete Hindurchgehen durch diese Situation.
Die Spur trägt etwas aus dem Vollzug weiter, ohne das Geschehen vollständig zu ersetzen.
Diese Ordnung ist keine Methode zur Herstellung eines festgelegten Ergebnisses.
Sie beschreibt, wie das Werk in eine konkrete Wirklichkeit eintritt.
CMG besitzt keinen einzigen bevorzugten Werktyp.
Das Werk kann erscheinen als:
Nicht die äußere Form entscheidet über die Zugehörigkeit zum Werk.
Entscheidend ist, ob eine Arbeit aus der Werkgrammatik hervorgeht, eine konkrete Setzung entwickelt und sich einer Situation und ihrem Widerstand aussetzt.
Das Werk umfasst künstlerische Forschung.
Die Fragen des Werkes werden nicht nur theoretisch formuliert. Sie werden in konkreten Setzungen, Situationen und Vollzügen untersucht. Die Forschungsseite zeigt aktuelle Untersuchungen, ihre Materialien und die daraus hervorgehenden Arbeiten.
Dabei kann sichtbar werden:
Das daraus hervorgehende Wissen lässt sich nicht vollständig von Material, Körper, Form, Situation und Erfahrung trennen.
Künstlerische Forschung ist keine zusätzliche Kategorie der Werkordnung.
Sie ist eine Arbeitsweise, die den gesamten Werkzusammenhang durchzieht.
Die Entwicklung und der Vollzug konkreter Situationen sind selbst künstlerische Forschung.
CMG ist das übergreifende Werk.
Die einzelnen Arbeiten sind eigenständige Werke innerhalb dieses Zusammenhangs.
CMG ist ein Werk, das sich in vielen eigenständigen Arbeiten entfaltet.
Ein Objekt, eine Klangarbeit, ein Film, eine sprachliche Intervention und ein gemeinsamer Vollzug können sehr unterschiedlich erscheinen.
Sie gehören zu CMG, wenn sie aus derselben Werkgrammatik hervorgehen und die gemeinsame Werkfrage einer jeweils anderen Wirklichkeit aussetzen.
Die einzelnen Arbeiten verlieren dadurch nicht ihre Eigenständigkeit.
Der Werkzusammenhang hält die Arbeiten zusammen, ohne ihre Unterschiede aufzuheben.
Die Werkordnung hält unterschiedliche Erscheinungs- und Realisierungsformen unterscheidbar.
Formate organisieren die Bedingungen möglicher Setzungen und Situationen. Ein Format gibt kein festes Ergebnis vor. Es wird in einer konkreten Wirklichkeit jeweils neu realisiert.
Werkreihen ordnen eigenständige Arbeiten nach einer gemeinsamen künstlerischen Frage, einem Material, einer formalen Bewegung oder einer wiederkehrenden Setzungslogik. Eine Werkreihe wird nicht durchgeführt. Sie entsteht und wächst durch konkrete Arbeiten.
Einzelarbeiten sind eigenständige Werke innerhalb des übergreifenden Zusammenhangs. Realisierungen bringen eine Setzung an einen bestimmten Ort und in eine konkrete Situation.
Wirkfelder bezeichnen die gesellschaftlichen und institutionellen Zusammenhänge, denen Arbeiten und Formate begegnen können.
WORK · EDUCATION · HEALTHY · DEMOCRACY · CITY · EVERYDAY
Das Format organisiert eine mögliche Situation.
Die Werkreihe ordnet künstlerisch verwandte Arbeiten.
Das Wirkfeld bezeichnet ihren gesellschaftlichen Zusammenhang.
CMG ist keine Methode, keine Therapie und kein Training.
Das Werk behandelt niemanden, optimiert nicht automatisch und verspricht keine messbare Wirkung.
Es kann Wahrnehmung, Beziehung, Urteil oder Handlung verändern. Diese Veränderung lässt sich jedoch nicht vom konkreten Vollzug lösen oder als standardisierter Effekt garantieren.
NICHT
CMG macht kreativer.
BESSER
CMG schafft Bedingungen, in denen eine vorbereitete Wahrnehmungs- oder Handlungsrichtung unterbrochen und erneut geprüft werden kann.
CMG ist das übergreifende Werk.
Das Werkverzeichnis zeigt die eigenständigen Arbeiten, in denen es sich entfaltet.
Der Werkzusammenhang wird in eigenständigen Arbeiten konkret.
Das Werkverzeichnis versammelt Objekte, Texte, Klänge, Filme, räumliche Arbeiten, Interventionen und Spuren vollzogener Situationen.
Dort werden die einzelnen Arbeiten nicht als Beispiele einer Theorie gezeigt. Sie erscheinen als eigenständige Werke mit ihrem jeweiligen Material, ihrer Setzung, ihrer Entstehung und ihrer Form.