DIE STIMME, DIE NICHT DRANKOMMT

Was übersehen wir, wenn wir Beteiligung daran messen, wer sich zu Wort meldet?

Künstlerische Untersuchung · Steffen Rolla

EDUCATION · WHAT DIRECTS? · UN/HEARD

UN/HEARD · STIMME · Audioarbeit · 2026

Ausgangsimpuls

ICH WEISS DIE ANTWORT.
ABER MEINE HAND BLEIBT UNTEN.

Ich weiß die Antwort. Aber meine Hand bleibt unten.

Ein Klassenraum. Eine Frage wird gestellt. Einige Schülerinnen und Schüler melden sich, andere bleiben still. Die Antwort könnte auch bei jemandem liegen, der sich nicht meldet.

Dieser Moment bildet den Ausgangspunkt meiner Audioarbeit „DIE STIMME, DIE NICHT DRANKOMMT“. Sie erzählt aus der Perspektive einer Person, die im Unterricht anwesend ist, mitdenkt und eine Antwort formuliert, aber nicht spricht.

Der Satz ist vorhanden. Doch er wird nicht hörbar. Im Text heißt es:

ICH WEISS DIE ANTWORT.
ABER MEINE HAND BLEIBT UNTEN.

Die Arbeit verbindet Stimme, Atem, Körperempfindungen und Geräusche des Klassenraums. Ein Stuhl kratzt. Ein Fuß bewegt sich. Ein Blick fällt auf das Heft. Die Zeit vergeht. Mich interessiert die Situation zwischen dem Wissen einer Antwort und dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden könnte.

Warum wird aus einem Gedanken nicht immer eine Stimme? Und was geschieht mit Menschen, deren Beteiligung nicht unmittelbar hörbar wird?

Die Audioarbeit behauptet nicht, dass stille Schülerinnen und Schüler grundsätzlich übersehen werden. Sie eröffnet eine Frage danach, wie wir Beteiligung wahrnehmen.

Hier beginnt die Untersuchung.

  1. 01

    Was nehme ich wahr?

    Wer spricht, wird hörbar.

    Im Unterricht können mündliche Beiträge Aufmerksamkeit erhalten. Eine Frage wird gestellt, eine Hand gehoben, eine Antwort gegeben. Sprechen macht einen Gedanken für andere zugänglich. Es ermöglicht Rückfragen, Widerspruch und gemeinsame Verständigung.

    Aber nicht jedes Denken wird ausgesprochen. Menschen können zuhören, beobachten, vergleichen, zweifeln und eigene Antworten entwickeln, ohne sie unmittelbar zu äußern. Manche benötigen mehr Zeit. Andere prüfen eine Formulierung, bevor sie sprechen. Wieder andere möchten sich beteiligen, finden aber in diesem Moment keinen Zugang.

    Das bedeutet nicht, dass jede stille Person dieselben Gedanken oder Gefühle hat. Stille allein verrät nicht, was in einem Menschen vorgeht. Gerade darin liegt für mich eine interessante Frage.

    Was können wir über das Denken eines Menschen wissen, wenn wir vor allem seine hörbaren Beiträge wahrnehmen?

  2. 02

    Was irritiert mich?

    Der Satz ist da. Die Stimme bleibt aus.

    Die Audioarbeit beschreibt einen Moment, in dem eine Person die Antwort kennt, sich aber nicht meldet. Eine andere Person spricht den Gedanken aus. Der Unterricht geht weiter. Damit entsteht eine Spannung zwischen dem inneren Erleben und dem, was für andere sichtbar oder hörbar wird.

    Die Person hat möglicherweise mitgedacht. Doch dieser Vorgang wurde nicht unmittelbar mitgeteilt. Was bedeutet das für ihre Beteiligung?

    Im Unterricht müssen Lehrkräfte häufig innerhalb begrenzter Zeit erkennen, was Schülerinnen und Schüler verstanden haben. Hörbare Antworten sind dafür eine wichtige Möglichkeit. Aber reichen sie aus? Ein Mensch, der wenig spricht, kann viel verstehen. Ein Mensch, der häufig spricht, muss nicht zwangsläufig alles durchdrungen haben. Und eine richtige Antwort sagt nicht immer etwas darüber aus, wie sie entstanden ist.

    Wann verwechseln wir sichtbare Beteiligung mit tatsächlichem Lernen?

    Diese Frage richtet sich nicht gegen das Sprechen. Sie richtet sich auf die Grenzen dessen, was wir durch Sprechen erkennen können.

  3. 03

    Was wirkt bereits?

    Wer schnell antwortet, erscheint sicher.

    Jeder Klassenraum besitzt Bedingungen, die beeinflussen, wie Menschen handeln. Zeit, Raum, Aufgabenstellungen, Gruppendynamik, Unterrichtsformen und Erwartungen spielen eine Rolle. In manchen Situationen wird eine schnelle Antwort ausdrücklich gewünscht. In anderen bleibt Zeit für Nachdenken, gemeinsames Erarbeiten oder schriftliche Vorbereitung.

    Auch Erfahrungen wirken. Wer häufig erfolgreich gesprochen hat, entwickelt möglicherweise Vertrauen in die eigene Stimme. Wer wiederholt unterbrochen, ausgelacht oder nicht berücksichtigt wurde, könnte vorsichtiger werden. Doch solche Zusammenhänge müssen im Einzelfall untersucht werden. Sie dürfen nicht allein aus dem Verhalten eines Menschen abgeleitet werden.

    Mich interessiert, wie bestimmte Bedingungen dazu beitragen, dass manche Stimmen leichter hörbar werden als andere. Wer meldet sich? Wer wartet? Wer erhält Gelegenheit zu sprechen? Wie lange bleibt eine Frage offen? Welche Antworten werden aufgegriffen? Und wann entsteht der Eindruck, dass die Antwort bereits gefunden wurde?

    Was gibt unserer Vorstellung von Beteiligung Richtung?

  4. 04

    Der Körper ist beteiligt

    Mein Körper spricht, bevor ich spreche.

    Die Audioarbeit beschreibt den Körper nicht als etwas, das erst nach dem Denken in Erscheinung tritt. Der Rücken richtet sich auf. Der Bauch spannt sich an. Finger werden kalt. Ein Fuß bewegt sich unter dem Tisch. Solche körperlichen Bilder machen die Spannung zwischen Denken und Sprechen erfahrbar. Sie sind künstlerische Ausdrucksmittel, keine medizinische Beschreibung eines konkreten Kindes.

    Mich interessiert die grundsätzliche Beziehung zwischen Körper und Lernen. Menschen lernen nicht ausschließlich, indem sie Informationen aufnehmen und gedanklich verarbeiten. Sie bewegen sich, schreiben, greifen, zeigen, gestalten und reagieren körperlich auf ihre Umgebung. Auch das Sprechen ist eine körperliche Handlung. Atem, Stimme, Haltung und Bewegung sind beteiligt.

    Was bedeutet das für den Unterricht? Welche Rolle spielt es, ob Schülerinnen und Schüler sitzen, stehen, sich bewegen oder mit Material handeln können? Wie verändert sich das eigene Erleben, wenn ein Gedanke aufgeschrieben, gezeichnet, gezeigt oder ausgesprochen wird? Und wie können unterschiedliche körperliche Ausdrucksmöglichkeiten berücksichtigt werden? Der Körper ist nicht erst beteiligt, wenn eine Antwort hörbar wird.

  5. 05

    Das Zögern

    Zwischen Wissen und Sprechen.

    In der Audioarbeit entsteht ein Moment des Noch-nicht. Ein Satz ist möglicherweise bereits formuliert. Aber die Entscheidung, ihn auszusprechen, steht noch aus. Mich interessiert dieses Zögern. Es kann unterschiedliche Gründe haben.

    Vielleicht ist die Person unsicher. Vielleicht prüft sie ihre Antwort. Vielleicht möchte sie zunächst hören, was andere denken. Vielleicht ist die Situation unangenehm. Vielleicht erscheint die Frage nicht eindeutig. Vielleicht benötigt der Gedanke einfach mehr Zeit.

    Zögern bedeutet deshalb nicht automatisch mangelnde Fähigkeit. Es ist aber auch nicht immer produktiv. Es kann belasten, Handlungsmöglichkeiten einschränken oder dazu führen, dass jemand dauerhaft nicht zu Wort kommt. Entscheidend ist, genauer hinzusehen.

    Wann ist Zögern Teil des Denkens – und wann wird es zu einer Begrenzung?

    Diese Unterscheidung interessiert mich auch aus meiner Beschäftigung mit künstlerischen Arbeitsprozessen. Ich habe erlebt, dass Menschen sehr unterschiedlich mit Entscheidungen umgehen. Manche handeln unmittelbar. Andere beobachten, prüfen und verändern ihre Vorstellungen, bevor sie einen nächsten Schritt machen. Nicht jede Entscheidung entsteht im gleichen Tempo. Warum sollte das beim Lernen grundsätzlich anders sein?

  6. 06

    Was widerspricht meiner Annahme?

    Nicht jede stille Person wird übersehen.

    Die Audioarbeit verleiht einer möglichen Erfahrung eine Stimme. Doch ich muss auch die Grenzen meiner eigenen Setzung untersuchen.

    Nicht jede Person, die sich nicht meldet, möchte sprechen. Nicht jede Stille ist Ausdruck einer unterdrückten Stimme. Manchmal ist jemand abgelenkt, erschöpft oder uninteressiert. Manchmal möchte ein Mensch bewusst zuhören. Manchmal fehlt tatsächlich das notwendige Wissen.

    Und nicht jede mündliche Beteiligung ist bloß eine oberflächliche Leistung. Sprechen kann das eigene Denken weiterentwickeln. Wer eine Antwort formuliert, muss Zusammenhänge ordnen, Begriffe finden und auf Rückfragen reagieren. Im gemeinsamen Gespräch entstehen Erkenntnisse, die ohne sprachlichen Austausch möglicherweise nicht entstanden wären.

    Es wäre deshalb falsch, mündliche Beteiligung grundsätzlich abzuwerten. Meine Untersuchung darf nicht eine starre Vorstellung durch eine andere ersetzen. Nicht jeder, der schweigt, weiß die Antwort. Aber nicht jeder, der die Antwort weiß, spricht.

    Die Frage lautet deshalb nicht, ob Sprechen oder Schweigen besser ist. Mich interessiert, welche Möglichkeiten Menschen erhalten, ihre Fähigkeiten und Gedanken auf unterschiedliche Weise sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.

  7. 07

    Wie wird Leistung sichtbar?

    Wer nicht spricht, leistet möglicherweise trotzdem etwas.

    Schulische Leistung muss beurteilt werden. Dafür benötigen Lehrkräfte nachvollziehbare Kriterien und unterschiedliche Formen, um Lernstände zu erkennen. Mündliche Beiträge können dazu gehören. Aber welche Leistung wird dadurch sichtbar? Die richtige Antwort? Die Geschwindigkeit? Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit? Die Bereitschaft, vor anderen zu sprechen? Oder das Verständnis eines Zusammenhangs?

    Diese Fähigkeiten können miteinander verbunden sein, sind aber nicht identisch. Ein Mensch kann etwas verstehen und Schwierigkeiten haben, es in einer bestimmten Situation auszusprechen. Ein anderer kann schnell sprechen, ohne seine Antwort gründlich geprüft zu haben.

    Mich interessiert deshalb, wie wir Leistung differenzierter betrachten können. Nicht nur: Wer hat geantwortet? Sondern auch: Wie ist eine Antwort entstanden? Welche Überlegungen waren notwendig? Welche Schwierigkeiten wurden überwunden? Welche Fähigkeiten wurden eingesetzt? Wie hat sich das Verständnis entwickelt? Und welche Formen der Beteiligung bleiben bei einer bestimmten Bewertung unsichtbar? Nicht jede Leistung wird hörbar. Nicht alles Hörbare ist bereits eine Leistung.

  8. 08

    Und was ist mit mir?

    Welche Stimme höre ich?

    Ich untersuche diese Situation nicht als neutraler Beobachter. Ich habe die künstlerische Stimme selbst gestaltet. Ich habe entschieden, aus welcher Perspektive die Audioarbeit spricht, welche Geräusche hörbar werden und welche Sätze wiederholt werden.

    Die Arbeit richtet die Aufmerksamkeit bewusst auf eine Person, die nicht zu Wort kommt. Dadurch entsteht eine bestimmte Wahrnehmung des Klassenraums. Andere Perspektiven bleiben zunächst im Hintergrund.

    Was würde sich verändern, wenn ich die Situation aus Sicht einer Lehrkraft untersuche? Welche Entscheidungen muss sie innerhalb einer Unterrichtsstunde treffen? Wie erlebt eine Person die Situation, die sich häufig meldet? Und was würde eine stille Schülerin oder ein stiller Schüler tatsächlich über die eigenen Erfahrungen erzählen? Vielleicht würden diese Perspektiven meine ursprüngliche Vorstellung verändern.

    Auch ich lenke durch die Audioarbeit Aufmerksamkeit. Ich entscheide, was hörbar wird. Damit muss ich meine eigene künstlerische Setzung überprüfen.

    Gebe ich einer überhörten Stimme Raum – oder lege ich einer stillen Person bereits meine eigene Interpretation in den Mund?

    Diese Frage ist wesentlich. Sie verhindert, dass die Audioarbeit als allgemeingültige Erklärung des schulischen Alltags verstanden wird.

  9. 09

    Was verändert sich?

    Von der fehlenden Stimme zu den Bedingungen des Sprechens.

    Am Anfang steht die Vorstellung einer Person, die eine Antwort weiß, aber nicht zu Wort kommt. Meine Aufmerksamkeit richtet sich zunächst auf diese einzelne Stimme. Doch während der Untersuchung verändert sich die Frage. Mich interessiert nicht mehr nur, weshalb jemand nicht spricht. Ich beginne zu untersuchen, welche Bedingungen bestimmen, wer sprechen kann, wer gehört wird und wie unterschiedliche Formen von Beteiligung anerkannt werden.

    Damit verändert sich auch das Ziel. Nicht die stille Person allein steht im Mittelpunkt. Der Unterrichtsraum selbst wird zum Gegenstand der Untersuchung.

    Ausgangsfrage

    Warum kommt eine Stimme nicht zu Wort?

    Weiterentwickelte Frage

    Wie gestalten wir Lernräume, in denen unterschiedliche Formen des Denkens, Zögerns, Sprechens und Handelns möglich und erkennbar werden?

    Dieser Perspektivwechsel ist für mich entscheidend. Die Untersuchung verschiebt sich von einer einzelnen Person zu den Bedingungen, unter denen Menschen lernen und handeln.

  10. 10

    Wie untersuche ich weiter?

    DER RAUM VOR DER ANTWORT.

    Eine mögliche Fortsetzung könnte im Rahmen von Creative Mind Gymnastics entstehen. Arbeitstitel: DER RAUM VOR DER ANTWORT. Mich interessiert eine Versuchsanordnung, in der Menschen dieselbe Fragestellung unter unterschiedlichen Bedingungen bearbeiten.

    In einer Situation könnten Antworten unmittelbar ausgesprochen werden. In einer anderen könnten die Beteiligten zunächst schreiben, zeichnen oder mit Material arbeiten. Eine weitere Variante könnte gemeinsames Nachdenken ohne unmittelbare Bewertung ermöglichen.

    Was verändert sich? Wer beginnt? Wer zögert? Welche Fähigkeiten werden sichtbar? Wie beeinflusst die Zeit das Vorgehen? Welche Bedeutung haben körperliche Bewegung und Material? Wie verändert sich die Bereitschaft, eigene Gedanken mitzuteilen?

    Dabei geht es nicht darum, nachzuweisen, dass eine Form grundsätzlich besser ist. Mich interessiert, wie unterschiedliche Bedingungen verschiedene Möglichkeiten eröffnen oder begrenzen.

    Die Teilnehmenden könnten anschließend ihre eigenen Erfahrungen reflektieren. Wann habe ich mich beteiligt gefühlt? Wann war ich unsicher? Welche Ausdrucksform fiel mir leicht? Welche war ungewohnt? Und was würde ich an der Situation verändern?

    Auch meine Rolle wäre Teil der Untersuchung. Welche Bedingungen habe ich geschaffen? Welche Erwartungen habe ich durch meine Aufgabenstellung bereits vorgegeben?

    DER RAUM VOR DER ANTWORT ist ein experimenteller Entwurf. Es wurden dafür noch keine Ergebnisse dokumentiert.

  11. 11

    Untersuchungsbeziehungen

    Lernen. Körper. Stimme. Entscheidung.

    Die Untersuchung verbindet unterschiedliche Bereiche meiner künstlerischen Praxis.

    EDUCATION

    Wie lernen Menschen? Wie werden Fähigkeiten sichtbar? Welche Rolle spielen Zeit, Aufmerksamkeit, Erfahrung und unterschiedliche Denkweisen?

    HEALTHY

    Wie nehmen Menschen ihren Körper wahr? Welche körperlichen Erfahrungen begleiten Denken, Unsicherheit und Entscheidungen?

    WHAT DIRECTS? DENKRÄUME

    Wer kommt in einem Gespräch zu Wort? Wie wird zugehört? Welche Stimmen erhalten Aufmerksamkeit? Und wie verändern sich Gedanken durch unterschiedliche Perspektiven?

    CMG MATERIALRÄUME

    Wie können Menschen durch Material und eigenes Handeln ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrnehmen und untersuchen?

    Diese Verbindungen sind zunächst thematische Beziehungen. Konkrete Seitenverknüpfungen nur anlegen, wenn die entsprechenden Ziele tatsächlich existieren.

Untersuchungsverlauf

  1. Ausgang

    2026 — Künstlerische Audioarbeit

    Bezug zum bisherigen Stand

    DIE STIMME, DIE NICHT DRANKOMMT

    UN/HEARD · STIMME

  2. Spätere Wiederaufnahme · Perspektivverschiebung ·

    Redaktioneller Untersuchungsentwurf

    Bezug zum bisherigen Stand

    Ausführliche Untersuchung über das Verhältnis von Stimme, Beteiligung, körperlichem Erleben und schulischer Leistungsbewertung.

Wo steht die Untersuchung heute?

Stand vom 31.10.2026

Die Untersuchung beginnt mit einer Stimme, die nicht hörbar wird. Eine Person weiß möglicherweise die Antwort, meldet sich aber nicht. Die Audioarbeit macht diese Spannung als innere und körperliche Erfahrung erfahrbar.

Doch ich möchte daraus keine allgemeine Aussage über stille Schülerinnen und Schüler ableiten. Stille kann unterschiedliche Gründe haben. Sie kann Ausdruck eines noch nicht abgeschlossenen Denkprozesses sein, einer bewussten Entscheidung oder einer Schwierigkeit, die eigene Stimme einzubringen.

Ich erkenne, dass mündliche Beteiligung eine wichtige Form des Lernens ist, aber nicht die einzige. Damit richtet sich meine Aufmerksamkeit zunehmend auf die Gestaltung der Bedingungen. Wie lange darf eine Frage offenbleiben? Welche Möglichkeiten erhalten Menschen, bevor sie eine Antwort geben? Wie können unterschiedliche Ausdrucksformen sichtbar werden? Und wie lässt sich Leistung beurteilen, ohne Menschen auf eine einzelne Form der Beteiligung zu reduzieren?

Die Untersuchung führt mich zu einer Frage, die weit über den schulischen Raum hinausreicht. Wer wird gehört? Wer entscheidet darüber? Und was geschieht mit Gedanken, die noch keine Stimme gefunden haben?

Die Audioarbeit bleibt als künstlerischer Ausgangspunkt bestehen. Ihre Perspektive ist bewusst zugespitzt. Die Untersuchung öffnet diese Setzung für Widerspruch, weitere Erfahrungen und neue Fragen.

NICHT JEDE STILLE IST LEER.

ABER WIE ERKENNEN WIR, WAS IN IHR GESCHIEHT?

ICH UNTERSUCHE. UND ICH TEILE. Ich untersuche nicht, um stillen Menschen eine allgemeine Eigenschaft zuzuschreiben. Ich untersuche, wie unterschiedlich Menschen wahrnehmen, lernen, denken und handeln. Mich interessiert, welche Bedingungen ihre Möglichkeiten beeinflussen. Und wie wir diese Bedingungen selbst verändern können.

Was wird möglich, wenn wir nicht nur auf Antworten achten, sondern auch auf die Wege, auf denen sie entstehen?

Steffen Rolla

Künstlerische Untersuchung · EDUCATION · UN/HEARD · Offen

Offene Fragen

Was wird möglich, wenn wir nicht nur auf Antworten achten, sondern auch auf die Wege, auf denen sie entstehen?

Beziehungen — andere Situationen, verwandte Fragen

  • Entstanden aus

    DIE STIMME, DIE NICHT DRANKOMMT

    Künstlerischer Ausgangspunkt. Die Audioarbeit ist eine gestaltete Situation, keine dokumentierte Beobachtung einer Schulklasse.

    Wie werden Denken, Lernen und Beteiligung wahrgenommen, wenn nicht jede Antwort ausgesprochen wird?

  • Gemeinsame Frage

    HABITUS — WAS SPRICHT, BEVOR DU SPRICHST?

    Wie entstehen unterschiedliche Möglichkeiten, gehört zu werden?

    Wie entstehen unterschiedliche Möglichkeiten, gehört zu werden?

    Schritt: Beziehungen

  • Gemeinsame Frage

    DIE GRUPPE SCHLÄFT NICHT.

    Wer entscheidet, was das Schweigen eines anderen bedeutet?

    Wer entscheidet, was das Schweigen eines anderen bedeutet?

    Schritt: Beziehungen

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