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Ausgangspunkt ist der Satz des Restaurantkritikers Jürgen Dollase:
„Vegetarismus und Veganismus sind etwas Weltanschauliches.“
Der Satz klingt zunächst wie eine Abgrenzung. Als würde es auf der einen Seite den Geschmack geben — und auf der anderen Seite die Haltung. Als wäre das Essen von Fleisch kulinarische Normalität, während der Verzicht darauf bereits Ideologie, Moral oder Programm sei.
Aber genau hier beginnt die Verschiebung.
Denn Fleischessen ist nicht neutral.
Es ist nur lange genug normalisiert worden, um nicht mehr als Haltung zu erscheinen.
Auch Fleisch trägt Weltanschauung in sich: ein Bild vom Tier, vom Körper, von Tradition, von Genuss, von Verfügbarkeit, von Wohlstand, von Gewohnheit. Das Steak erscheint als Geschmack. Der Verzicht erscheint als Entscheidung. Doch beides ist Entscheidung — nur ist die eine sichtbar markiert und die andere kulturell entlastet.
UN/TASTE interessiert sich deshalb nicht zuerst für die Frage, wer recht hat.
Nicht: Fleisch oder vegan.
Nicht: Genuss oder Moral.
Nicht: Kritik oder Foodblog.
Die eigentliche Frage lautet:
Warum gilt ausgerechnet das Weglassen als Weltanschauung — und nicht das, was bleibt?
Vielleicht beginnt Weltanschauung nicht dort, wo jemand Fleisch nicht isst.
Vielleicht wird sie dort nur sichtbar.
Der Teller ist kein neutraler Ort.
Er ordnet Körper, Herkunft, Erinnerung, Markt, Tier, Klasse und Lust.
Er schmeckt nicht nur.
Er spricht mit.