Fleisch ist auch eine Weltanschauung.

Jürgen Dollase sagt, Vegetarismus und Veganismus seien Weltanschauung. Nicht nur der Verzicht trägt Haltung — auch Fleischessen. Nur wird es kulturell oft nicht mehr als solche erkannt.

01 Ausgangsimpuls

| Dollase über Vegetarismus und Veganismus als Weltanschauung

Ein öffentlicher Satz des Restaurantkritikers markiert den Verzicht als Haltung — und lässt Fleischessen als kulinarische Normalität erscheinen.

Jürgen Dollase

02

Perspektivverschiebung

Der Impuls trennt scheinbar Geschmack und Haltung. RE/TEXT verschiebt: Auch Fleisch trägt Weltbilder — von Tier, Körper, Tradition, Genuss, Verfügbarkeit. Die eine Entscheidung ist sichtbar markiert, die andere kulturell entlastet.

03 Künstlerische Setzung

|
NUR DAS VEGANE GILT ALS HALTUNG.
DAS FLEISCH TARNT SICH ALS NORMAL.

04

RE/TEXT-Essay

| Ausgangspunkt ist der Satz des Restaurantkritikers Jürgen Dollase:

„Vegetarismus und Veganismus sind etwas Weltanschauliches.“

Der Satz klingt zunächst wie eine Abgrenzung. Als würde es auf der einen Seite den Geschmack geben — und auf der anderen Seite die Haltung. Als wäre das Essen von Fleisch kulinarische Normalität, während der Verzicht darauf bereits Ideologie, Moral oder Programm sei.

Aber genau hier beginnt die Verschiebung.

Denn Fleischessen ist nicht neutral.

Es ist nur lange genug normalisiert worden, um nicht mehr als Haltung zu erscheinen.

Auch Fleisch trägt Weltanschauung in sich: ein Bild vom Tier, vom Körper, von Tradition, von Genuss, von Verfügbarkeit, von Wohlstand, von Gewohnheit. Das Steak erscheint als Geschmack. Der Verzicht erscheint als Entscheidung. Doch beides ist Entscheidung — nur ist die eine sichtbar markiert und die andere kulturell entlastet.

UN/TASTE interessiert sich deshalb nicht zuerst für die Frage, wer recht hat.

Nicht: Fleisch oder vegan.

Nicht: Genuss oder Moral.

Nicht: Kritik oder Foodblog.

Die eigentliche Frage lautet:

Warum gilt ausgerechnet das Weglassen als Weltanschauung — und nicht das, was bleibt?

Vielleicht beginnt Weltanschauung nicht dort, wo jemand Fleisch nicht isst.

Vielleicht wird sie dort nur sichtbar.

Der Teller ist kein neutraler Ort.

Er ordnet Körper, Herkunft, Erinnerung, Markt, Tier, Klasse und Lust.

Er schmeckt nicht nur.

Er spricht mit.

05 Audioarbeit

Das Fleisch tarnt sich als normal.

UN/HEARD · 05:01

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Transcript

| NUR DAS VEGANE GILT ALS HALTUNG. DAS FLEISCH TARNT SICH ALS NORMAL.

Vegetarismus und Veganismus sind etwas Weltanschauliches.

Aber Fleischessen ist nicht neutral. Es ist nur lange genug normalisiert worden, um nicht mehr als Haltung zu erscheinen.

Was schmeckst du — und was verteidigst du, während du glaubst, nur zu essen?

Der Teller ist kein neutraler Ort. Er schmeckt nicht nur. Er spricht mit.

In the work catalogue: Das Fleisch tarnt sich als normal.

06 Alltagsspur

Schau auf einen Teller.

| Noch nicht urteilen. Noch nicht verteidigen.

Frag zuerst:

Was schmeckst du — und was verteidigst du dabei?

Warte zehn Sekunden.

Was schmeckst du — und was verteidigst du, während du glaubst, nur zu essen?

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