UNS GING ES NOCH NIE SO GUT.

Warum fühlt sich Wohlstand nicht immer wie Wohlstand an?

Wir verfügen über Dinge und Möglichkeiten, die für frühere Generationen keineswegs selbstverständlich waren: medizinische Versorgung, Infrastruktur, soziale Absicherung und technische Erleichterungen. Trotzdem können Unsicherheit, Erschöpfung und Zukunftsangst unseren Alltag prägen.

Wie kann materieller Wohlstand vorhanden sein, während das Gefühl von Sicherheit schwindet?

Eigenständige Audioarbeit

UNS GING ES NOCH NIE SO GUT.

2:39

0:00 2:39
Transkript

uns ging es noch nie so gut

der Satz klingt falsch

fast unanständig

uns

ging

es

noch nie

so gut

und trotzdem

der Körper

sagt nein

wir haben Strom

wir haben Straßen

wir haben Krankenversicherung

wir haben Rentenansprüche

wir haben Urlaubstage

wir haben Kühlschränke

wir haben alles

außer

dem Gefühl

alles zu haben

Wohlstand ist eine Erwartung

nicht ein Besitz

dass Strom da ist

dass Wege funktionieren

dass Hilfe kommt

dass Zukunft

planbar bleibt

wenn diese Erwartung bricht

bricht der Wohlstand

auch dann

wenn er noch da ist

wer viel hat

kann viel verlieren

nicht die Armut macht Angst

der Fall macht Angst

das Weniger

der Bruch

der Selbstverständlichkeit

die Zahl sagt ja

der Körper sagt nein

zwischen beiden

wohnt die Politik

und der Populismus

und die Erschöpfung

nicht was fehlt

macht uns unruhig

sondern

dass das Vorhandene

sich anfühlt

wie Vorstufe

des Verlusts

uns ging es noch nie so gut

warum fühlt es sich nicht so an

[lange Pause]

[keine Antwort]

Ausgangsimpuls

Die Zahl sagt ja.
Der Körper sagt nein.

UNS GING ES NOCH NIE SO GUT · Audioarbeit · UN/HEARD · UN/WOHLSTAND · 27.06.2026 · 2:39

Die Audioarbeit stellt materiellen Wohlstand und subjektive Erfahrung gegenüber. Sie behauptet, dass Verlustangst selbst dort entstehen kann, wo vieles vorhanden ist.

Doch wem ging es tatsächlich noch nie so gut? Und was messen wir überhaupt, wenn wir von Wohlstand sprechen?

Hier beginnt meine Untersuchung.

Hier beginnt die Untersuchung.

  1. 01

    Was nehme ich wahr?

    Ein Satz wie „Uns ging es noch nie so gut“ beschreibt scheinbar eine gemeinsame Wirklichkeit. Doch er lässt offen, wer mit „uns“ gemeint ist und nach welchen Kriterien verglichen wird.

    Einkommen, Gesundheit, Sicherheit, Wohnraum, Zeit und gesellschaftliche Teilhabe können sich unterschiedlich entwickeln. Auch innerhalb einer Gesellschaft sind Lebensbedingungen nicht gleich verteilt.

    Ein Durchschnitt beschreibt nicht automatisch die Erfahrung des Einzelnen.

  2. 02

    Was wirkt bereits?

    Wohlstand ist für mich nicht nur Besitz. Er zeigt sich auch in Erwartungen: dass Strom verfügbar ist, Wege funktionieren, medizinische Hilfe erreichbar bleibt und ich mein Leben planen kann.

    Was selbstverständlich geworden ist, nehme ich möglicherweise erst wahr, wenn es gefährdet erscheint.

    Dann verändert sich meine Beziehung zum Vorhandenen. Nicht unbedingt, weil es bereits verschwunden ist, sondern weil ich fürchte, es verlieren zu können.

    Wann wird aus einer gesicherten Lebensbedingung eine unsichere Erwartung?

  3. 03

    Ist Verlustangst schon Verlust?

    Die Audioarbeit behauptet: „Nicht die Armut macht Angst. Der Fall macht Angst.“

    Doch Armut und tatsächliche materielle Not können erhebliche Belastungen verursachen. Verlustangst darf nicht mit ihnen gleichgesetzt werden.

    Gleichzeitig kann die Furcht vor einem möglichen Abstieg das eigene Handeln beeinflussen, bevor sich die Lebensbedingungen verändern.

    Mich interessiert deshalb der Unterschied zwischen tatsächlichem Verlust, begründeter Sorge und einer Erwartung, die sich möglicherweise nicht erfüllt.

    Was ist bereits verloren gegangen – und was fürchte ich erst zu verlieren?

  4. 04

    Und was ist mit mir?

    Wie selbstverständlich nutze ich die Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen? Wann empfinde ich sie als Sicherheit, wann als etwas, das jederzeit gefährdet sein könnte?

    Vielleicht vergleiche ich mein Leben weniger mit früheren Generationen als mit meinen eigenen Erwartungen an die Zukunft.

    Und vielleicht beeinflusst gerade dieser Vergleich mein Gefühl von Wohlstand stärker als die Dinge, die tatsächlich vorhanden sind.

    Auch mein Maßstab dafür, was ein gutes und sicheres Leben ausmacht, gehört zur Untersuchung.

  5. 05

    Was verändert sich?

    Ausgangsfrage

    Am Anfang stand die Behauptung: Uns ging es noch nie so gut. Warum fühlt es sich nicht so an?

    Weiterentwickelte Frage

    Inzwischen frage ich: Wie entstehen Vorstellungen von Wohlstand und Sicherheit, und was geschieht, wenn unsere Erwartungen an die Zukunft unsicher werden?

    Die Untersuchung verschiebt sich vom Widerspruch zwischen Zahlen und Gefühlen zur Frage, wie materielle Bedingungen, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Erwartungen zusammenwirken.

  6. 06

    Wie untersuche ich weiter?

    Ich möchte unterschiedliche Vorstellungen von Wohlstand miteinander vergleichen. Was betrachten Menschen als selbstverständlich? Welche Bedingungen geben ihnen Sicherheit? Was befürchten sie zu verlieren?

    Ein möglicher WHAT DIRECTS? Denkraum könnte mit zwei Fragen beginnen: Was habe ich? Was erwarte ich, behalten zu können?

    Dabei interessiert mich, wie sich die Antworten unterscheiden und welche Erfahrungen dahinterstehen. Materielle Lebensbedingungen müssten zusätzlich anhand überprüfbarer Informationen betrachtet werden.

    Mögliche Fortsetzung – noch nicht durchgeführt.

  7. 07

    Beziehungen

    EVERYDAY — Welche Lebensbedingungen betrachten wir als selbstverständlich?

    DEMOCRACY — Wie beeinflussen Unsicherheit, Zukunftserwartungen und gesellschaftliche Wahrnehmungen unsere Urteile?

    WORK — Welche Rolle spielen Einkommen, Beschäftigung und Planbarkeit für unser Sicherheitsgefühl?

    DEMUT — Wie überprüfen wir unsere eigenen Vorstellungen von einem guten Leben?

    WHAT DIRECTS? — Welche Erfahrungen und Erwartungen bestimmen, ob wir uns wohlhabend oder gefährdet fühlen?

Untersuchungsverlauf

  1. Ausgang ·

    Künstlerischer Impuls

    Bezug zum bisherigen Stand

    Die Audioarbeit stellt materiellen Wohlstand und empfundene Verlustangst gegenüber.

  2. Spätere Wiederaufnahme · Perspektivverschiebung ·

    Redaktioneller Untersuchungsentwurf

    Bezug zum bisherigen Stand

    Die Frage erweitert sich auf die Entstehung von Sicherheit, Normalität und Zukunftserwartungen.

  3. Spätere Wiederaufnahme · Neues Experiment

    Mögliche Fortsetzung

    Bezug zum bisherigen Stand

    Unterschiedliche Lebenssituationen, Wohlstandsbegriffe und persönliche Erwartungen untersuchen.

Wo steht die Untersuchung heute?

Stand vom 31.10.2026

Ich habe mit dem Satz begonnen, dass es uns noch nie so gut ging. Inzwischen beschäftigt mich stärker, was dieses „uns“ eigentlich bedeutet.

Wohlstand lässt sich nicht allein aus meinem Gefühl ableiten. Aber auch eine positive Statistik erklärt noch nicht, wie Menschen ihre Lebensbedingungen erleben.

Ich möchte verstehen, wann vorhandene Möglichkeiten Sicherheit vermitteln und wann die Angst vor ihrem Verlust in den Vordergrund tritt.

Vielleicht besteht Wohlstand nicht nur darin, was wir haben, sondern auch darin, wie verlässlich wir unsere Lebensmöglichkeiten erfahren.

Auch diese Vorstellung muss überprüft werden.

Die Untersuchung bleibt offen.

Was bestimmt unsere Vorstellung von Wohlstand? Besitz, Sicherheit, Vergleich, Gewohnheit oder Zukunftserwartung?

Was verändert sich, wenn wir nicht nur fragen, wie gut es uns geht, sondern auch, für wen das gilt und woran wir es erkennen?

ICH UNTERSUCHE. UND ICH TEILE.

Steffen Rolla · Künstlerische Untersuchung · Offener redaktioneller Entwurf

Beziehungen — andere Situationen, verwandte Fragen

  • Gemeinsame Frage

    DEMUT.

    Wie überprüfen wir unsere eigenen Vorstellungen von einem guten Leben?

    Wie überprüfen wir unsere eigenen Vorstellungen von einem guten Leben?

    Schritt: Beziehungen

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