WEM GEHÖRT EINUNDZWANZIG?

Wessen Uhrzeit ist eigentlich normal?

Ein Fußballspiel beginnt um drei Uhr nachts. Ich könnte mich über die Anstoßzeit ärgern. Aber warum erwarte ich, dass ein weltweites Ereignis zu meinem Tagesrhythmus passt?

Neunzehn Uhr. Einundzwanzig Uhr. Feierabend, Kneipe, Fernsehen. Was ich als normale Fußballzeit empfinde, ist möglicherweise nur meine Gewohnheit.

Wann wird aus meiner Gewohnheit ein Anspruch an die Welt?

Audio work

WEM GEHÖRT EINUNDZWANZIG?

3:19

0:00 3:19
Transcript

Drei Uhr.

Das Spiel beginnt.

Kein Wecker.

Eine Frage.

Drei Uhr,

das Spiel beginnt.

Ich stelle keinen Wecker.

Ich stelle eine Frage.

Warum erwarte ich,

dass die Welt

zu meiner Uhrzeit

stattfindet?

Neunzehn Uhr.

Einundzwanzig Uhr.

Das war unser Rhythmus.

Feierabend.

Grillrost.

Kneipe.

Anpfiff.

So war das.

So war das.

So war das immer.

Aber immer —

für wen?

Wem gehört einundzwanzig?

Dem Fan?

Dem Sender?

Dem Markt?

Dem Schlaf?

Wem gehört 21:00?

Nicht die WM

ist zu spät.

Unser Anspruch

ist zu selbstverständlich.

Nicht die WM

ist zu spät.

Unser Anspruch

ist zu selbstverständlich.

Für Menschen in Lagos.

Für Menschen in Seoul.

Für Menschen in São Paulo.

Ist Champions League

auch Nachtschicht.

Sie haben nie gefragt,

ob das gerecht ist.

Sie haben geschaut.

Wir fragen jetzt,

weil es uns trifft.

Wir nennen es

blöde Anstoßzeiten.

Aber gemeint ist:

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Wem gehört einundzwanzig?

Dem Fan?

Dem Sender?

Dem Markt?

Dem Schlaf?

Wem gehört 21:00?

Nicht die WM

ist zu spät.

Unser Anspruch

ist zu selbstverständlich.

Nicht die WM

ist zu spät.

Unser Anspruch

ist zu selbstverständlich.

Drei Uhr

ist keine Uhrzeit.

Drei Uhr

ist ein Machtverhältnis.

Es zeigt,

wessen Alltag zählt.

Es zeigt,

wessen Primetime

Weltzeit ist.

Diesmal

sind wir nicht gemeint.

Wie fühlt sich das an?

Wie fühlt sich das an?

Wie fühlt sich das an,

wenn Welt

nicht wir heißt?

Wir sehen erst

unsere Zeit.

Unseren Feierabend.

Unsere Gewohnheit.

Unser Recht

auf einundzwanzig.

Und dann

merken wir:

Die Welt

richtet sich nicht

nach uns.

Das ist nicht nur Fußball.

Das ist

VORDEM.

Die WM läuft.

Nur nicht

in unserem Alltag.

Wir wollen Welt.

Aber bitte

zur besten Sendezeit.

Zur besten Sendezeit.

Zur besten Sendezeit.

Wessen Sendezeit

meint das?

Wessen Welt

meint Welt?

Wem gehört einundzwanzig?

Wem gehört einundzwanzig?

Wem gehört einundzwanzig?

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Initial impulse

Drei Uhr, das Spiel beginnt.
Ich stelle keinen Wecker.
Ich stelle eine Frage.

WEM GEHÖRT EINUNDZWANZIG? Audio-Setzung · UN/HEARD · UN/GAME · 27.06.2026 · 3:19

Die Audioarbeit behauptet: Nicht die WM ist zu spät. Unser Anspruch ist zu selbstverständlich.

Aber stimmt das? Hier beginnt meine Untersuchung.

The investigation begins here.

  1. 01

    Was nehme ich wahr?

    Dasselbe Spiel findet weltweit zum selben Zeitpunkt statt, aber nicht zur selben Tageszeit.

    Was für mich mitten in der Nacht liegt, kann anderswo ein Nachmittag oder Abend sein.

    Wir teilen einen Zeitpunkt, aber nicht denselben Alltag.

    Meine Wahrnehmung beginnt bei meiner Uhr, meiner Arbeit, meinem Schlaf und meinen Gewohnheiten. Andere Lebensrhythmen bleiben zunächst im Hintergrund.

  2. 02

    Was wirkt bereits?

    Meine Vorstellung einer normalen Anstoßzeit ist gelernt. Wettbewerbe, Fernsehsender, wirtschaftliche Interessen und gemeinsame Gewohnheiten haben sie geprägt.

    Ein Spiel um 21 Uhr erscheint selbstverständlich. Um drei Uhr nachts wird es zur Störung.

    Doch wer bestimmt diese Zeiten? Welche Interessen und Bedingungen spielen dabei eine Rolle?

    Was ich normal nenne, ist möglicherweise das Ergebnis früherer Entscheidungen.

  3. 03

    Ist drei Uhr ein Machtverhältnis?

    Die Audioarbeit behauptet: „Drei Uhr ist ein Machtverhältnis.“

    Das ist eine künstlerische Zuspitzung, kein bereits erbrachter Nachweis.

    Anstoßzeiten hängen unter anderem von Spielorten, Organisation, Übertragung und wirtschaftlichen Interessen ab.

    Eine ungünstige Uhrzeit bedeutet nicht automatisch, dass jemand benachteiligt werden soll.

    Mich interessiert, wer entscheidet, welche Perspektiven berücksichtigt werden und wer sich anpassen muss.

    Wessen Alltag zählt bei einer gemeinsamen Entscheidung?

  4. 04

    Und was ist mit mir?

    Warum bemerke ich diese Ungleichzeitigkeit besonders dann, wenn mein eigener Alltag betroffen ist?

    Wie oft habe ich darüber nachgedacht, wann Menschen anderswo europäische Fußballspiele verfolgen?

    Vielleicht halte ich meine Gewohnheiten für selbstverständlich, weil sie lange funktioniert haben.

    Die Untersuchung richtet sich damit auf meine eigene Erwartung.

    Warum sollte meine Uhr der Maßstab für andere sein?

  5. 05

    Was verändert sich?

    Initial question

    Am Anfang stand die Frage: Warum beginnt das Spiel für mich so spät?

    Daraus wird: Warum halte ich meine gewohnte Uhrzeit für normal?

    Developed question

    Und schließlich: Wie werden gemeinsame Zeiten ausgehandelt, wenn Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben?

    Ich darf eine Anstoßzeit weiterhin unpraktisch finden. Aber meine persönliche Unzufriedenheit ist noch kein Beleg für Ungerechtigkeit.

  6. 06

    Wie untersuche ich weiter?

    Ich möchte eine konkrete Anstoßzeit aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen.

    Was bedeutet sie für Menschen in verschiedenen Zeitzonen? Welche Arbeits- und Schlafrhythmen beeinflusst sie? Wie wurde sie festgelegt?

    Daraus könnte ein WHAT DIRECTS? Denkraum entstehen:

    Welche Uhrzeit wäre gerecht, wenn niemand dieselbe Tageszeit erlebt?

    Mögliche Fortsetzung – noch nicht durchgeführt.

  7. 07

    Beziehungen

    HABITUS — Wie werden gelernte Gewohnheiten zu scheinbaren Selbstverständlichkeiten?

    EVERYDAY — Welche gesellschaftlichen Rhythmen bestimmen unseren Alltag?

    WORK — Wer bestimmt über unsere Zeit und Verfügbarkeit?

    DEMOCRACY — Wie berücksichtigen gemeinsame Entscheidungen unterschiedliche Interessen?

Course of the investigation

  1. Origin ·

    Künstlerischer Impuls

    Relation to the previous state

    Die Audioarbeit hinterfragt die Erwartung vertrauter Anstoßzeiten.

  2. Later return · Perspektivverschiebung ·

    Redaktioneller Untersuchungsentwurf

    Relation to the previous state

    Die Frage verschiebt sich von der Uhrzeit zur Entstehung von Normalität und zu den Bedingungen gemeinsamer Entscheidungen.

  3. Later return · Neues Experiment

    Mögliche Fortsetzung

    Relation to the previous state

    Konkrete Spielpläne und Entscheidungsprozesse vergleichen. Frühere Annahmen überprüfen.

Where does the investigation stand today?

As of 31.10.2026

Ich habe mit einer Uhrzeit begonnen, die nicht zu meinem Alltag passt.

Inzwischen interessiert mich, warum ich meine eigene Vorstellung von Normalität so selbstverständlich auf andere übertrage.

Meine Gewohnheit ist kein Weltmaßstab. Aber auch diese Erkenntnis beantwortet noch nicht, wie gemeinsame Zeiten gerecht festgelegt werden können.

Dazu muss ich die tatsächlichen Bedingungen und Interessen untersuchen.

Nicht die ungewohnte Uhrzeit ist mein eigentliches Untersuchungsfeld, sondern die Selbstverständlichkeit meiner Erwartung.

Die Untersuchung bleibt offen.

Wer bestimmt, was wir für normal halten? Welche Gewohnheiten wirken bereits, bevor wir urteilen?

Und wann erkennen wir, dass unsere Perspektive nur eine von vielen ist?

ICH UNTERSUCHE. UND ICH TEILE.

Steffen Rolla · Künstlerische Untersuchung · Offener Entwurf

Relations — other situations, related questions

  • Gemeinsame Frage

    HABITUS — WAS SPRICHT, BEVOR DU SPRICHST?

    Wie werden gelernte Gewohnheiten zu scheinbaren Selbstverständlichkeiten?

    Wie werden gelernte Gewohnheiten zu scheinbaren Selbstverständlichkeiten?

    Step: Beziehungen

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