FORSCHUNGSFELD

Zwei Menschen. Zwei Vollzüge.

Gabriele Musebrink und Reil im filmisch dokumentierten künstlerischen Prozess

Wie verschieden entsteht künstlerisches Wissen, wenn zwei Menschen mit Material, Zeit, Widerstand und Entscheidung arbeiten?

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Die zentrale Verschiebung

Die filmischen Aufzeichnungen zeigen keine abstrakten Methoden.
Sie zeigen zwei Menschen im Vollzug.

Aus dem Vergleich entsteht keine gemeinsame Formel.
Er macht Unterschiede lesbar: in Beginn, Rhythmus, Materialantwort, Entscheidung, Wiederholung, Verwerfen und Weiterführen.

  1. EIN MENSCH
  2. EIN VOLLZUG
  3. ZWEI MENSCHEN
  4. ZWEI VOLLZÜGE
  5. KEINE FORMEL

Forschungsgegenstand

Das geistreich Archiv bewahrt filmische Aufzeichnungen künstlerischer Vollzüge. Darunter die dokumentierten Arbeitsprozesse von Gabriele Musebrink und Reil.

Das Forschungsfeld setzt nicht bei der Erschließung des Archivs als Katalog an. Es fragt, wie das Eigene eines Menschen in seinem künstlerischen Vollzug erscheint.

Die Aufzeichnungen sind keine Anleitung. Sie sind materielle Grundlage einer Untersuchung. Beobachtet werden Unterschiede in der konkreten Arbeit mit Material, Zeit, Körper, Entscheidung und Widerstand.

Zwei Menschen. Zwei Vollzüge. Keine gemeinsame Formel.

Wie verschieden entsteht künstlerisches Wissen, wenn zwei Menschen mit Material, Zeit, Widerstand und Entscheidung arbeiten?

Der Weg der Beobachtung

  1. BEOBACHTUNG
  2. VERGLEICH
  3. UNTERSCHEIDUNG
  4. WIDERSTAND
  5. VERDICHTUNG
  6. FRAGE

Diese Folge ist nicht linear. Schritte können sich wiederholen, ausfallen oder ineinandergreifen.

Eine Beobachtung kann ein einzelner Moment im Film sein. Sie kann auch eine längere Bewegung über mehrere Situationen hinweg bezeichnen.

Ein Vergleich kann Unterschiede schärfen. Er kann ebenso vorschnell eine Gemeinsamkeit behaupten.

Das Forschungsfeld untersucht diese Unterschiede, ohne die beiden Vollzüge auf eine gemeinsame Methode zu reduzieren.

Sechs Beobachtungsebenen

  1. Beginn

    Wie setzt ein Mensch die Arbeit in Gang? Mit einer klaren Absicht, mit einer materiellen Probe, mit einer Pause, mit einer bereits vorhandenen Ordnung?

  2. Rhythmus und Zeit

    Jeder Vollzug hat eine eigene Zeit. Tempo, Wiederholung, Unterbrechung und Warten gehören zur Arbeit und sind nicht austauschbar.

  3. Materialantwort

    Material antwortet nicht neutral. Es widersteht, fließt, reißt, trocknet, bindet oder stößt ab. Die Arbeit zeigt, wie ein Mensch auf diese Antworten reagiert.

  4. Entscheidung und Verwerfen

    Im Vollzug wird gewählt, fortgeführt und verworfen. Diese Entscheidungen sind oft kaum als fertige Methode formulierbar. Sie werden sichtbar in der Handlung.

  5. Körper und Raum

    Der Vollzug geschieht mit Körper, Hand, Blick, Entfernung und räumlicher Anordnung. Die filmische Aufzeichnung macht diese Verhältnisse beobachtbar.

  6. Weiterführen

    Ein Vollzug endet nicht immer mit einem abgeschlossenen Objekt. Manchmal bleibt eine Spur, eine Frage, eine nächste Handlung. Entscheidend ist, was weitergeführt und was abgeschlossen wird.

Medienspezifische Prüfungen

Die Filme dokumentieren Handlungen, Übergänge und materielle Zustände. Sie sind Beobachtungsgrundlage, nicht fertige Methode.

  • Was zeigt der Film?
  • Was bleibt außerhalb des Bildes?
  • Welche Zeitlichkeit erzeugt der Schnitt?
  • Wird eine Handlung erklärt oder sichtbar gemacht?

WAS WIRD SICHTBAR, WENN EIN VOLLZUG AUFGEZEICHNET WIRD?

Was wird wo geführt?

Werk

Die verbindlich gebundene Arbeit:

  • Titel
  • Werkjahr
  • Werkart
  • Werkbestandteile
  • Credits
  • Erscheinungsformen
  • Realisierungen

Produktionsfassung

Der dokumentierte Herstellungsprozess:

  • Prompts
  • Systeme und Modelle
  • Varianten
  • generiertes Material
  • Eingriffe
  • Auswahl
  • Verwerfungen
  • Bindung der Werkfassung

Realisierung

Das konkrete Erscheinen des Werks:

  • Ort
  • Zeit
  • Träger
  • Institution
  • Veröffentlichung
  • Präsentationskontext

Forschungsfeld

Die werkübergreifende Untersuchung:

  • gemeinsame Begriffe
  • Forschungsfragen
  • medienübergreifendes Raster
  • Vergleich mehrerer Werke
  • verbundene Fallstudien

WERK ERSCHEINUNGSFORM REALISIERUNG

FORSCHUNGSFELD WERK

Fallstudien

Musebrink-Edition · filmische Archivfassung · 2010–2020

Musebrink-Edition

Die Musebrink-Edition bewahrt filmisch dokumentierte Kurs- und Atelierprozesse. Sie bildet eine materielle Grundlage der Untersuchung, ohne den Vollzug von Gabriele Musebrink auf eine allgemeine Methode zu reduzieren.

  • Wie setzt der Vollzug ein?
  • Welche Materialantworten werden zugelassen?
  • Welche Entscheidungen werden sichtbar, ohne erklärt zu werden?
  • Was bleibt als Spur – und was als offene Frage?

Forschungsregel

Ein dokumentierter Vollzug wird nicht dadurch zur gemeinsamen Methode, dass er beobachtbar ist. Entscheidend ist, ob die Unterschiede zwischen zwei Menschen in ihrem Umgang mit Material, Zeit, Widerstand und Entscheidung ernst genommen werden.

Verdichtung

Zwei Menschen. Zwei Vollzüge. Keine gemeinsame Formel. Die Untersuchung macht Unterschiede lesbar, ohne sie zu vereinheitlichen.

Zu den verbundenen Werken →