Wirkfeld
EVERYDAY
Der Alltag vor seiner Selbstverständlichkeit.
EVERYDAY ist das Wirkfeld, in dem Arbeiten und Formate von CMG auf gewöhnliche Handlungen, vertraute Gegenstände und wiederkehrende Situationen treffen.
Im Alltag scheint vieles bereits eindeutig: Ein Gegenstand besitzt eine Funktion, ein Weg führt zu einem Ziel, eine Handlung folgt einer Routine und ein Wort wird unmittelbar verstanden.
Diese Ordnungen sind notwendig. Sie ermöglichen, dass Menschen handeln können, ohne jede Situation neu beginnen zu müssen. Gleichzeitig bereiten sie Wahrnehmung, Bedeutung und Handlung häufig schon vor, bevor eine eigene Prüfung eingesetzt hat.
Künstlerische Setzungen bringen eine kleine Unterbrechung in diese vorhandenen Abläufe. Ein Wort erscheint an einem ungewohnten Ort. Eine Karte tritt in eine Mahlzeit ein. Ein Gegenstand wird anders berührt. Eine minimale Verschiebung verändert die Beziehung zu einer vertrauten Umgebung.
Der Alltag wird dabei nicht verlassen. Für einen Moment verliert das Gewöhnliche lediglich seine vollständige Selbstverständlichkeit.
Was wäre, wenn das Gewöhnliche nicht sofort selbstverständlich ist?
EVERYDAY eröffnet Situationen, in denen ein Gegenstand, eine Handlung oder ein vertrauter Ablauf für einen Moment anders wahrgenommen werden kann.
Eine kleine Setzung tritt in eine bereits bestehende Situation ein. Sie kann aus einer Frage, einer Karte, einem Wort, einem Klang, einer Berührung oder einer begrenzten Handlungsregel bestehen.
Die Setzung verlangt nicht, dass der Alltag verlassen wird.
Eine Mahlzeit bleibt eine Mahlzeit. Ein Weg bleibt ein Weg. Ein Tisch bleibt ein Tisch. Doch ihre vertraute Ordnung ist für einen kurzen Moment nicht vollständig geschlossen.
EVERYDAY öffnet im Gewöhnlichen einen Schwellenraum, ohne das Gewöhnliche in ein besonderes Ereignis zu verwandeln.
Wie das Werk in den Alltag eintritt
Wie das Werk in den Alltag eintritt
Ausgangspunkt ist eine bereits vorhandene Handlung oder Situation:
- essen
- gehen
- warten
- lesen
- berühren
- öffnen
- tragen
- sitzen
- zuhören
- begegnen
Dafür entwickelt Steffen Rolla eine präzise und meist kleine künstlerische Setzung.
Sie kann als Karte, Wort, Gegenstand, Klang, materielle Veränderung oder kurze Handlungsanweisung erscheinen.
Die Setzung tritt in den Alltag ein. Die Situation entsteht im tatsächlichen Vollzug.
Die Arbeit liegt deshalb nicht allein in der Karte oder im Gegenstand. Sie entsteht im Zusammentreffen mit der vorhandenen Handlung, dem Tempo des Alltags und den nicht vorhersehbaren Reaktionen der Beteiligten.
Aus diesem Vollzug können materielle Arbeiten, Texte, Bilder, Klänge, Spuren oder weitere künstlerische Fragen hervorgehen.
Mögliche Realisierungen
Mögliche Realisierungen
Im Wirkfeld EVERYDAY können beispielsweise entstehen:
- eine Karte für eine alltägliche Handlung,
- eine sprachliche Setzung an einem vertrauten Gegenstand,
- eine Arbeit vor oder während einer Mahlzeit,
- eine kurze Setzung beim Gehen oder Warten,
- eine materielle Verschiebung in einem alltäglichen Raum,
- eine Klangarbeit in einem Übergang,
- eine Arbeit mit Berührung, Tragen oder Ablegen,
- eine Edition für wiederkehrende Alltagssituationen,
- eine fotografische, filmische oder schriftliche Spur,
- eine ortsbezogene Folge kleiner Interventionen.
Die Realisierung muss nicht öffentlich oder groß sein. Sie kann nur für einen Menschen, eine kleine Gruppe oder einen begrenzten Zeitraum gelten. Ihre geringe Größe ist kein Mangel. Sie ermöglicht, unmittelbar in eine bereits bestehende Situation einzutreten.
Keine Achtsamkeitsübung
Abgrenzung
EVERYDAY ist keine Achtsamkeitsmethode, kein Selbsthilfeformat und kein Ratgeber für ein bewussteres Leben.
Das Wirkfeld fordert Menschen nicht dazu auf, langsamer, aufmerksamer oder ausgeglichener zu werden.
Es gibt keine richtige Haltung vor und verspricht keine Steigerung des Wohlbefindens.
Das Ergebnis kann ruhig, irritierend, beiläufig oder kaum bemerkbar sein. Es muss nicht zu einer positiven Erfahrung führen.
Nicht
CMG hilft, den Alltag bewusster zu erleben.
Besser
EVERYDAY entwickelt künstlerische Setzungen, die eine vertraute Handlung für einen Moment aus ihrer vollständigen Selbstverständlichkeit lösen.
Das Kleine als künstlerische Form
Das Kleine als künstlerische Form
Eine Arbeit im Wirkfeld EVERYDAY muss nicht als Ausstellung, Veranstaltung oder öffentlich sichtbare Intervention erscheinen.
Sie kann in einem einzelnen Satz, einer Karte, einer Berührung oder einer kurzen zeitlichen Verschiebung liegen.
Die Arbeit wird dadurch nicht zu einer bloßen Übung.
Ihre künstlerische Präzision liegt in der Setzung:
- Wo tritt sie ein?
- Was unterbricht sie?
- Woran hält die Öffnung?
- Welche Handlung bleibt bestehen?
- Welche Reaktion wird gerade nicht vorgeschrieben?
Die Größe der Arbeit entscheidet nicht über ihren Werkstatus. Entscheidend ist die Präzision ihrer Setzung und ihres Vollzugs.
EVERYDAY, CITY und HEALTHY
EVERYDAY, CITY und HEALTHY
Die Wirkfelder können sich überschneiden, bleiben aber unterscheidbar.
EVERYDAY beginnt bei einer gewöhnlichen Handlung oder vertrauten Situation.
CITY beginnt bei der räumlichen, sprachlichen und historischen Ordnung eines gemeinsamen Ortes.
HEALTHY beginnt beim Verhältnis von Körper, Wahrnehmung, Bewertung und institutionellen Gesundheitsbedingungen.
Eine Arbeit beim Gehen kann EVERYDAY sein. Wird der konkrete Weg, seine Benennung oder seine öffentliche Ordnung zum Ausgangspunkt, berührt sie CITY.
Eine Arbeit mit körperlicher Wahrnehmung kann EVERYDAY berühren. Wird die Einordnung des Körpers als Leistung, Defizit oder Symptom zum Gegenstand, tritt sie in HEALTHY ein.
- EVERYDAY
- setzt bei gewöhnlichen Handlungen, vertrauten Gegenständen und wiederkehrenden Situationen an.
- CITY
- untersucht die räumlichen, sprachlichen und historischen Ordnungen des gemeinsamen Ortes.
- HEALTHY
- untersucht körperliche Wahrnehmung vor ihrer Bewertung als Leistung, Defizit oder Symptom.
Das Wirkfeld wird durch den Ausgangspunkt der künstlerischen Untersuchung bestimmt, nicht nur durch den Ort ihres Erscheinens.
Zusammenarbeit
Zusammenarbeit
EVERYDAY kann in privaten, öffentlichen, kulturellen, sozialen und institutionellen Zusammenhängen realisiert werden.
Mögliche Partner sind Museen, Bibliotheken, Kommunen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Verlage, Stiftungen und Orte des täglichen Zusammenlebens.
Die Zusammenarbeit beginnt nicht mit einem fertigen Kartenset oder einer standardisierten Alltagsübung.
Ausgangspunkt ist eine konkrete Handlung oder Situation, deren vorbereitete Ordnung künstlerisch untersucht werden soll.