Wirkfeld
DEMOCRACY
Urteil vor der Zuordnung.
DEMOCRACY ist das Wirkfeld, in dem Arbeiten und Formate von CMG auf demokratische Öffentlichkeit, politische Bildung, kommunale Räume und zivilgesellschaftliche Situationen treffen.
In öffentlichen Auseinandersetzungen scheint häufig bereits festzustehen, wie eine Aussage einzuordnen ist, welcher Seite jemand angehört und welche Reaktion erwartet wird. Bilder, Begriffe und mediale Dynamiken bereiten Zustimmung, Ablehnung und Zugehörigkeit vor, bevor eine eigene Prüfung eingesetzt hat.
Künstlerische Setzungen unterbrechen diese vorbereiteten Richtungen. Sie bringen Sprache, Körper, Raum, Klang, unterschiedliche Perspektiven und öffentliche Situationen in ein verändertes Verhältnis.
Dabei wird keine richtige Meinung vorgegeben und kein Konsens hergestellt. Es entstehen Situationen, in denen Wahrnehmung und Urteil noch nicht vollständig durch eine vorhandene Zuordnung festgelegt sind.
Was wäre, wenn ein Unterschied nicht sofort zur Lagerzugehörigkeit wird?
DEMOCRACY eröffnet Situationen, in denen eine Aussage, ein Bild oder ein Unterschied nicht unmittelbar einer fertigen Position zugeordnet werden muss.
Eine künstlerische Setzung bringt Sprache, Körper, Klang, Material, Raum und unterschiedliche Perspektiven in ein bestimmtes Verhältnis. Im Zusammentreffen mit den Beteiligten entsteht eine Situation, deren Verlauf nicht vollständig festgelegt ist.
Menschen müssen wahrnehmen, hören, prüfen, reagieren und ihre Position selbst verantworten. Dabei kann sichtbar werden, wie schnell Zustimmung, Ablehnung und Zugehörigkeit vorbereitet sind – und wo ein eigener Urteilsvollzug beginnt.
Demokratisches Urteilen bedeutet hier nicht die Übernahme der richtigen Position. Es bedeutet, den Weg zur eigenen und verantwortbaren Position zu durchlaufen.
Wie das Werk in demokratische Öffentlichkeit eintritt
Wie das Werk in demokratische Öffentlichkeit eintritt
Ausgangspunkt ist eine konkrete öffentliche Situation: ein Begriff, ein Konflikt, ein Ort, eine nicht gehörte Stimme, eine historische Benennung oder eine bereits etablierte Zuordnung.
Dafür entwickelt Steffen Rolla eine künstlerische Setzung. Sie kann mit Sprache, Schrift, Klang, Material, Körpern, räumlicher Anordnung oder einer zeitlich begrenzten Handlung arbeiten.
Die Setzung wird entworfen. Die Situation entsteht.
Im Vollzug treffen die Setzung, die Beteiligten und die tatsächlichen Bedingungen der Öffentlichkeit aufeinander. Unterschiedliche Reaktionen, Widerstände und Entscheidungen gehören zur Arbeit. Das Ergebnis ist nicht vollständig vorausbestimmt.
Aus der Situation können Texte, Objekte, Audioarbeiten, Filme, räumliche Spuren, öffentliche Editionen oder weitere künstlerische Fragen hervorgehen.
Mögliche Realisierungen
Mögliche Realisierungen
Eine Kommune, Stiftung, politische Bildungseinrichtung, Kulturinstitution oder zivilgesellschaftliche Organisation kann beispielsweise beauftragen:
- eine sprachliche oder räumliche Intervention im öffentlichen Raum
- eine künstlerische Untersuchung eines gesellschaftlich aufgeladenen Begriffs
- eine Audioarbeit über Hören, Überhören und öffentliche Stimme
- einen Vollzug zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven
- eine temporäre Edition in einem Rathaus, Museum oder Bildungsort
- eine ortsbezogene Arbeit zu Benennung, Erinnerung oder Zugehörigkeit
- eine filmische oder fotografische Weiterführung
- eine längerfristige künstlerische Zusammenarbeit
- eine materielle oder dokumentarische Spur der entstandenen Situation
Beauftragt wird keine Kampagne zur Vermittlung einer vorbereiteten Meinung. Jede Realisierung wird aus dem konkreten Ort, dem gesellschaftlichen Zusammenhang und den beteiligten Menschen entwickelt.
Keine Meinungskampagne
Abgrenzung
DEMOCRACY ist keine Debattenmethode, keine Beteiligungstechnik und keine Kampagne zur Herstellung der richtigen Haltung.
CMG verspricht nicht, Polarisierung zu verhindern, Menschen toleranter zu machen oder gesellschaftlichen Konsens herzustellen.
Das Werk kann Bedingungen schaffen, in denen die Entstehung von Wahrnehmung, Zuordnung und Urteil erfahrbar wird.
Nicht
CMG vermittelt die richtige demokratische Haltung.
Besser
CMG entwickelt künstlerische Situationen, in denen eine vorbereitete Zustimmung, Ablehnung oder Zuordnung unterbrochen und der Weg zum eigenen Urteil erfahrbar werden kann.
Offenheit hat Grenzen
Offenheit hat Grenzen
Der offene Schwellenraum von CMG bedeutet nicht, dass jede Aussage gleich begründet, jede Position gleich legitim oder jede Tatsache beliebig wäre.
Menschenwürde, Gleichberechtigung, Schutz vor Gewalt und die Grundlagen demokratischer Teilhabe werden durch die künstlerische Offenheit nicht relativiert.
Auch überprüfbare Tatsachen werden nicht zu bloßen Perspektiven erklärt.
Offen bleibt der Weg, auf dem ein Mensch wahrnimmt, prüft und urteilt. Nicht offen zur Disposition stehen die Rechte und der Schutz anderer Menschen.
VORDEM hält das Urteil offen. Es hebt Verantwortung nicht auf.
Kein Konsens als vorgegebenes Ergebnis
Kein Konsens als vorgegebenes Ergebnis
Eine demokratische Situation muss nicht in Einigkeit enden.
Unterschiedliche Wahrnehmungen und Positionen können bestehen bleiben. Entscheidend ist, ob sie lediglich übernommen wurden oder aus einem eigenen Weg durch Wahrnehmung, Widerstand und Prüfung hervorgehen.
CMG schützt nicht vor Konflikten.
Das Werk kann Bedingungen schaffen, unter denen ein Konflikt nicht sofort durch Zuordnung, Wiederholung oder Ausschluss geschlossen wird.
Zusammenarbeit
Zusammenarbeit
DEMOCRACY kann mit Kommunen, Stiftungen, Museen, Bibliotheken, Schulen, Hochschulen, politischen Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen realisiert werden.
Die Zusammenarbeit beginnt nicht mit einer fertigen Botschaft oder einem standardisierten Beteiligungsformat.
Ausgangspunkt sind der konkrete Ort, die vorhandene öffentliche Situation und die Frage, die dort künstlerisch untersucht werden soll.